Franzsikus meets Sultan al-Kamil

Zur Erinnerung an das legendäre Treffen vor 800 Jahren, das zwei prominente Gläubige mitten im Krieg zusammenführte, erscheint eine neue Briefmarke.

Es war vermutlich während einer Waffenruhe im September des Jahres 1219. Franz von Assisi war im Heiligen Land angekommen, mitten in den Wirren des fünften Kreuzzuges. Was ihn letztendlich dorthin trieb, wissen wir heute nicht mehr. Aber es ist in christlichen und muslimischen Quellen belegt, dass sich die beiden - der Bettelmönch aus Europa und der persische Machthaber - getroffen haben und lange miteinander im Gespräch waren.

Es ist überliefert, dass die beiden jeweils vom Gegenüber, trotz unterschiedlicher Glaubensüberzeugungen, tief beeindruckt waren. Sultan al-Kamil bat Franzsikus, für ihn zu beten. Und Franziskus war so beeindruckt von dem tiefen Glauben und dem Gebet der Muslime, dass er einige Inspirationen mit nach Hause nahm.

So setzte er sich, wieder in der Heimat angekommen, dafür ein, dass regelmäßig zu bestimmten Zeiten auch hier bei uns zum Gebet aufgerufen wird. Das Angelusgeläut hat hier seinen Ursprung. In der Franziskusregel von 1221 distanzieren sich die Franziskaner klar von religiösen Kriegen und aggressiver Missionstätigkeit - vielmehr ist ein geschwisterlicher Dialog gefragt.

So verwundert es nicht, dass Assisi, die Geburtstadt des Heiligen Franziskus, zum Ort des interreligiösen Dialoges und des Friedens geworden ist. Als Johannes Paul II. die Kirchen und Religionen im Jahr 1982 zum ersten gemeinsamen Friedensgebet lud, berief er sich auf das jüngste Konzil. Je 62 Vertreter von Kirchen und Weltreligionen verdeutlichten, dass sie vor demselben Gott stehen und gemeinsam am Frieden auf Erden arbeiten.

Am zweiten Assisitreffen der Religionen reagierten die Versammelten im Frühjahr 2002 auf den Terrorangriff von New York und erklärten jede religiös motivierte Gewalt für gottlos. “Wir verpflichten uns, die Menschen zu gegenseitigem Respekt und Hochachtung zu erziehen, damit Angehörige unterschiedlicher ethnischer Gruppen, Kulturen und Religionen friedlich und solidarisch zusammenleben“. Im Oktober 2011 lud Benedikt XVI. Kirchen, Welt- und Naturreligionen und neu auch Agnostiker nach Assisi. Der Papst erinnerte daran, dass keine Religion und keine Kirche DIE Wahrheit besitze. Alle sind wir pilgernd unterwegs auf dem Weg zu tieferer Wahrheit und umfassenderem Frieden. Pilgernde sind nicht Gegner, sondern Gefährten, die voneinander lernen können.

Den nächsten Schritt zu einem weltweiten Frieden hat Papst Franziskus wieder in Assisi geplant. Für das Frühjahr 2020 lädt er junge Wirtschaftsexperten und Jungunternehmer nach Assisi, die den Mut haben, Wirtschaft neu zu denken. Im Sinne des globalisierten Friedens und nicht exklusiv im Sinne der globalisierten und entfesselten Märkte.

Am 4. Oktober ist der Gedenktag des Heiligen Franziskus. Die Schöpfungszeit endet an diesem Tag, Ernte-Dank ist in Sichtweite. Heute erinnern uns diese Tage daran, dass all das, wofür wir hier in Deutschland so dankbar sein können, bald in Gefahr sein könnte. Die Schöpfung, die Ernährungssicherheit, der Friede - alles ist miteinander verbunden.

Am 5. Oktober machen sich Familien aus unserer Pfarrei mit Pfarrer Gros zu einer Familienwallfahrt nach Assisi auf den Weg, die Spuren des Heiligen nachzufühlen.