Glaube im Alltag

Wenn ich in meinem Dienstbereich im MTK durch die Ortschaften fahre, dann fällt mir immer öfter ein grünes Kreuz am Feldrand auf. So wie ich das verstanden habe, machen Landwirte damit auf das Bauernsterben aufmerksam, das seit Jahrzehnten fortschreitet und seinen Ursprung wohl in fehlgeleiteten Förderungen und gegensätzlichen Forderungen der Bundesregierung hat. 
 
Aber gut, ich schreibe hier für die Kirche und Kirche soll keine Politik machen, Kirche soll das Kreuz erklären.
In unserer Welt steht das Kreuz doch meistens nur noch für den Tod. Das Sterben. Im Fall des grünen Kreuzes am Wegesrand für das Bauernsterben.
Christlich gesprochen ist dies aber eigentlich erst der Anfang vom Kreuz. Es braucht den Tod des alten Lebens, um zu einem neuen aufzustehen.
Was ja nicht heißt, das das alte Leben schlecht oder falsch war. Aber einmal kommt der Moment, da macht der Körper nicht mehr mit. Weil er alt geworden ist, weil Probleme an einzelnen Organen zu schwerwiegend waren, oder manchmal bleibt auch dafür der Grund ein Geheimnis. Dann kommt der Moment für etwas Neues. Wenn der letzte Atemzug ausgehaucht ist.
 
Das Kreuz als Symbol für einen Neuanfang. Eine mittelalterliche Darstellung aus dem 12. Jahrhundert in der berühmten Kirche San Clemente in Rom zeigt das Kreuz als Lebensbaum. Es ist ein blühender Baum, in dem die Vögel des Himmels nisten und der vielen Geschöpfen auch Nahrung gibt. Es ist der Baum des Kreuzes, von dem auch der Mensch leben kann.
Das Kreuz als Symbol für einen Neuanfang.

Gilt das womöglich auch für die Landwirtschaft? Für das Modell der kapitalistischen Landwirtschaft, in der die Höfe immer größer wurden, in der Gottes Geschöpfe zur Ware wurden, die es galt auf maximalen Profit zu züchten, in der die Schöpfung, wie sie gedacht war, missbraucht wurde, unter der Idee, mehr und mehr zu produzieren? Sicher - es wurde mehr gebraucht, und andere bekannte Methoden erschienen nicht ausreichend. Doch nun ist der Schaden, der weltweit erzeugt wird, bald größer als der Nutzen. Die Ziele, die man sich erhofft hatte, sind offensichtlich nicht von anhaltender Dauer. So steigt mittlerweile im dritten Jahr die Zahl der Hungernden wieder an. (UN-Bericht)

  Regenerative Landwirtschaft im Gegensatz zur kapitalistischen Landwirtschaft, die die Wunden an der Schöpfung heilen kann, erwacht gerade als Hoffnungsträger für eine nachhaltige und stabile Ernährungssicherheit. Die bäuerliche Landwirtschaft, die die Geschöpflichkeit einer jeden Kreatur anerkennt, die wieder mit und nicht gegen die Natur arbeitet, die den Menschen wieder an den ihm zugedachten Platz im Netzwerk der Schöpfung setzt, um in den Worten von Papst Franziskus zu sprechen.
 
Sollten wir es wirklich ernst meinen mit dem Auftrag, den Kirche in der Welt hat, sollten wir auch in der Kirche endlich ernst machen mit Klimaschutz und Schöpfungsverantwortung, so wie es die Deutsche Bischofskonferenz in ihren "10 Thesen zum Klimaschutz" aus dem Januar 2019 fordert.
"Das Ziel der Treibhausgasneutralität ebenso wie die Ziele der Agenda 2030 gelten analog auch für kirchliches Handeln. Will Kirche glaubhaft sein, dann muss sie gerade beim Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangehen: Sie übersetzt damit den biblischen Auftrag des treuhänderischen Umgangs mit Gottes guter Schöpfung in die Praxis, sie handelt gemäß ihrem eigenen Selbstverständnis als Sakrament, das heißt als Zeichen und Werkzeug des Heils. (Glaubens-)Lehre, Verkündigung und die eigene Praxis sollen im Einklang stehen und dem Vorbildcharakter der Kirche gerecht werden. Klimaschutz ist gelebter Schöpfungsglaube und gehört ins Zentrum kirchlichen Handelns."
 
Unsere Pfarrei wird sich auch im eigenen Handeln und Wirtschaften neu strukturieren. Mit der Initiative "Zukunft Einkaufen" werden wir uns an einem deutschlandweiten ökumenischen Leitbild orientieren, das nachhaltiges Wirtschaften in und mit Kirche begleitet. Haben Sie Lust, dabei zu sein? Dann melden Sie sich gerne unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.