Glaube im Alltag

Der Lieblingsheilige der Blumenindustrie feiert in den nächsten Tagen wieder seinen Gedenktag. Den 14. Februar haben alle gestressten Ehemänner auf dem Schirm,wenn es gilt, sein schlechtes Gewissen für das späte Nachhause kommen, das verpasste Abendessen oder den immer noch nicht gemähten Rasen zu beruhigen.
 
Natürlich ist Valentinstag aber der Tag der Liebenden, und das ist natürlich der wirkliche Grund für die Blumen.
 
Der heilige Valentin ist der Schutzpatron der Jugendlichen, Reisenden und Imker. Er wurde bei Epilepsie, Pest und Wahnsinn angerufen. Außerdem sollte er zu einer guten Verlobung und Heirat verhelfen. 
Valentin von Rom soll als Priester Liebespaare trotz des Verbots christlich getraut haben und deswegen am 14. Februar 269 hingerichtet worden sein. Zudem habe Valentin den frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, haben der Überlieferung nach unter einem guten Stern gestanden. 
 
Heute würde man sich solch einen Valentin noch einmal wünschen. In einer Welt, in der bald jede zweite geschlossene Ehe wieder aufgelöst wird, stehen doch immer weniger Ehen unter einem guten Stern. Den Wahnsinn einer lebenslangen Treue in Liebe halten immer weniger Menschen durch. Haben wir das einfach verlernt, wie das geht mit der lebenslagen Liebe?
 
Gott liebt jeden einzelnen Menschen - vor aller Leistung und trotz aller Schuld. Nicht, weil wir Gebote befolgen, weil wir besonders oft und andächtig beten, oder sonst tolle Leistungen erbringen im Leben. Nein, einfach weil wir sind, wie wir sind. Nicht umsonst heißt es im Englischen "Human being" und nicht "Human doing", wie der verunfallte Samuel Koch einmal so schön sagte.
Und Gott ist uns treu. Ein Leben lang. Egal, was wir mit unserem Leben anstellen. 
Wer diese Liebe Gottes verspürt, der kann sie auch weitergeben. Diese lebenslange Treue in Liebe. Dabei dürfen wir nicht den Schmetterlingen im Bauch hinterhertrauern. Die Schmetterlinge sind ein Anfang auf der Spielwiese der Liebe. Aber im gemeinsamen Lieben geht es irgendwann auf das rauhe Meer. Da können die Schmetterlinge nicht mit, die würden nur weggeweht werden. Da braucht es das tiefe treue Blau des Himmels. Manchmal geht es stürmisch zu auf dem Meer und der Himmel ist bewölkt. Manchmal ist es auch ziemlich eintönig, so ein Alltag auf hoher See. Aber in manchen Nächten, da reißt plötzlich der Himmel auf und mitten in der Finsternis zeigt sich ein klarer Sternenhimmel. 
Natürlich steht es außer Frage, dass manche Schiffe auch irgendwann zum Sinken verurteilt sind. Wenn der Sturm zu heftig ist und die Ausrüstung des Schiffes dem einfach nicht mehr gewachsen ist. Wenn es besser ist, die Segel zu streichen, bevor noch mehr innerlicher Schaden angerichtet ist. Aber trotzdem ist da noch die Liebe Gottes. Denn ER sagt, ein Leben lang. Egal, was wir mit unserem Leben anstellen. Oder was das Leben mit uns anstellt.
 
Zum Glück bekomme ich an Valentinstag keine Blumen. Ich genieße sie lieber im Sommer auf der Wiese.
Aber wenn es aufklart in dieser Nacht - vielleicht finden wir ja einen dunklen Ort in der Finsternis, in der man auch im Rhein-Main-Gebiet noch den Sternenhimmel bewundern kann.
Und wer weiß, am Ende, irgendwann, vielleicht treffen wir uns ja einmal wieder auf der großen Spielwiese - mit all den Schmetterlingen im Bauch.
 

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"Immer und überall..." ist Gott mit uns auf unseren Wegen. Im Alltäglichen und natürlich auch an besonderen Feiertagen.

Deshalb wollen wir hier immer wieder mal Gedankenanregungen geben, wo Gott uns denn im Leben begegnet.

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