Nachlese zum Familienwochenende nach Marienstatt vom 27. – 28.10.2018

Was veranlasste einige Familien unserer Pfarrgemeinde (10 Erwachsene und 16 Kinder) Ende Oktober nach Marienstatt zu fahren? In den Westerwald – dort wo der Wind pfeift so kalt. Sicherlich eine gesunde Neugier, wie der monastische Lebensstil heute in unserer Zeit ausgestaltet ist. Denn Marienstatt beherbergt nicht nur eine alte Basilika aus dem 13. Jhrdt., sondern auch ein Kloster des Zisterzienserordens. Dort leben, beten und arbeiten heute noch einige Mönche in einer Glaubensgemeinschaft nach dem Eigenbewirtschaftungsmodell, die nach dem Vorbild der Apostel eine Kirche im Kleinen darstellt. Die Idee der Gemeinschaft war auch der Grund für unser Zusammenkommen dort an diesem herbstlich schönen Wochenende. Einen Samstag und Sonntag mit Familien und Kindern ausgewogen zu verbringen mit Geschichten, Spielen, Klosterbesichtigungen und in der Natur.

Die Unterbringung war eher einfach gehalten, aber dafür sauber, in einem alten Internat, das heute als Gästehaus für Tagungen oder Klosterbesuchen genutzt wird – zum großen Teil mit WC/Bad auf den Fluren. Das Essen einfache Mensakost mit einigen Highlights – wie die exzellente Bockwurst oder den leckeren Apfel-Crumble als Nachtisch – übrigens Äpfel aus eigenem Anbau. Aber nur zum Essen waren wir nicht gekommen, obwohl wir natürlich alle satt wurden. Die Gemeinschaft stand im Vordergrund. Und das simulierte klösterliche Leben in einer friedvollen Naturumgebung. Da P.G. seit Jahren eine aktive Freundschaft zu Pater D. – einer der Verwalter der Wirtschaftsbetriebe – pflegt, hatten wir auch die einmalige Chance, nach der Vesper auch eine ausführliche Einführung des Chorgebets, im Chorgestühl und im großen Buch der Heiligen Schrift der Mönche – ähnlich einem übergroßen Gotteslob in großen Lettern in lateinischer Sprache, zu erhalten. Die Mönche zelebrieren nämlich viermal am Tag die Gebete nach den alten Regeln des Hl. Benedikts. Die Kinder waren begeistert von den Ausführungen über die 800 Jahre alten Chorgestühle (man konnte sich auch noch darin setzen) oder beim Halten und Öffnen des Schubladen großen Buches. Anschließend führte uns Pater D. in das Allerheiligste des Klosters – die Bibliothek – ein langer Gang, zweistöckig, rechts und links 2m hohe Regale voller Bücher. Am Ende des Ganges die Vitrinen mit den Kleinoden des Klosters: Das kleinste Gebetbuch der Welt mit dem Vaterunser in sieben Sprachen – so klein wie der Fingernagel des kleinen Fingers. Oder alte Abschriften der Bibel in Originalhandschriften und Verzierungen, oder Buchdrucke der Bibel aus der ersten Zeit nach Gutenberg.


P.G. lies es sich nicht nehmen, als Erzählonkel eine kindergerechte Erzählung über das Klosterleben mit den beiden Hauptfiguren Mattes und Benedikt (Seipolt/Ruegenberg Benedikt – echter Verlag) vorzulesen. Das war der Einstieg in den Vormittag. Am Nachmittag fand dann nach der Gruppeneinteilung eine Klosterralley zum Erkunden des Areals statt. Zwischendurch immer mal Spiele oder Gesellschaftsspiele, Besichtigungen. An diesem uns geschenkten, sonnigen Tag konnten die Kinder gut draußen noch spielen. Auch eine Nachtwanderung um 20:00, die spontan aufgegriffen wurde, fand großen Anklang. Was aber als 30min Wanderung geplant war, zog sich über 1,5 Stunden durch den Westerwald. Bis zu einem Stollen, der von außen besichtigt werden konnte. Man merkte schon, dass P.G. hier in seiner Heimat in seinem „Element“ war und uns an seiner Schönheit der Natur teilhaben lassen wollte, in dem er die Wandergemeinschaft voran führte. Gegen Ende der Wanderung merkte man doch den Kleinen jedoch die Müdigkeit an, so dass sie nach Ankunft sofort in einen tiefen Schlaf versanken. Die Erwachsenen versammelten sich danach in einem Gruppenraum bei Wein und Gesprächen. Und so endete der Samstag, wie er begonnen hatte, in friedvoller Stimmung.


Der nächste Tag stand dann ganz im Zeichen eines „improvisierten“ gemeinsamen Gottesdienstes in unserem Tagungsraum. Wiedermal ein Beweis dafür, dass eine Feier im Glauben Gottes nicht immer einer barocken oder großen Kirche bedarf. Jesus kann uns auch in einer kleinen, bescheidenen und bunt zusammengewürfelten Gemeinschaft sehr nahe sein. Im Anschluss an den Gottesdienst führten wir noch einen kleinen Workshop mit Interaktion zu den nächsten Wallfahrtsplanungen durch. Die Reflektion des gemeinsamen Familienwochenendes bestätigte uns, dass diese Art von Veranstaltung bei den Kindern und Erwachsenen großen Anklang gefunden hat. Gegen 14:00 fuhren wir dann alle zufrieden und bereichert nach Hause. Auf ein Neues!

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