Glaube im Alltag

So steht es auf den Wegen durch die Felder zwischen Marburg und Gießen, wo wir in diesem Sommer mit einer Fahrradtour unterwegs waren.

Und da ich für die hier neu zu entstehende Rubrik, in der Leute aus der Redaktion über manchmal ganz Alltägliches, manchmal Besonderes schreiben wollen, etwas zu den Sommerferien schreiben soll, fiel mir dieses Bild ein. Denn auch in der Bibel wird ja berichtet über schmale und breite Wege.
 
Bei Matthäus heißt es. "Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind´s, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind´s, die ihn finden!" Mt 7, 13-14
 
Klingt nach einem abenteuerlichen Weg. Eine enge Pforte, zugewachsen im Dickicht. Ein bisschen phantastisch, wie ein verwunschenes Schloss im Märchen. Man muss den Eingang erstmal finden. Sich absetzen von den Anderen, die es sich auf der gut ausgebauten Autobahn des Lebens bequem gemacht haben. Immer schneller, immer weiter, immer mehr. Aber da ist das Wissen um diese kleine abenteuerliche Pforte. Als Kinder Gottes haben wir die Sehnsucht nach dieser Pforte in die Wiege gelegt bekommen.

Wenn man halt nicht gerade so gut im Flow wäre ... Bei der nächsten Pipi-Pause, ja, da schauen wir mal danach...

Aber so funktioniert das mit dem Glauben nicht. Die Pforte ist da irgendwo im Leben, mitten drin, abseits der Autobahn. Nicht direkt an der Raststätte. Man muss die Ohren und die Augen gut offen halten, um den Eingang zu finden. Offen bleiben für das Wunder.

Und dann, wenn man den Eingang entdeckt hat, braucht es auch Mut, da einzutreten. Mit Sack und Pack von der Autobahn runter und sich durch diese enge Pforte zwängen. Alle Sorgen, alle Ängste und Probleme, die man grad so gut im Kofferraum verstaut hat, muss man mühsam mitschleppen.

Es wirkt so düster da drin, beengt, gruselig. Aber da ist eben doch diese Sehnsucht. Und dann tritt man ein. Ganz vorsichtig, Schritt für Schritt. Sicher wird man anfangs überall erst einmal anstoßen. Anecken. Es ist ja wirklich eng da drin. Alles wirkt so anders als da draußen in der Weite. Aber auch auf dem Weg gehen Menschen. Nicht so viele. Aber man ist nicht allein. Und die Menschen um einen herum packen an. Nehmen ein Stück der Last ab. Jeder weiß, dass er die Last nicht alleine tragen muss, denn wer die eigene Last abgeben kann nach oben, der hat wieder Kraft, woanders Last abzunehmen. Und plötzlich merkt man, wie man getragen wird auf diesem Weg.

Später in der Bibel lesen wir dann bei Matthäus: "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht." Mt 11, 28-30.